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Letztlich geht der Community-Gedanke im Computerbereich fast zurück in die Anfänge der Computerei. 1967 hatte Ted Nelson, damals ein abgebrochener Harvard Student, eine bis dato revolutionäre Idee, Wissen und Information zu speichern. Nicht als gebundenes Buch, sondern als einzelne Dokumente, die durch Verweise untereinander in Zusammenhang stehen sollten – Xanadu nannte Nelson sein Hypertextkonzept. Jeder sollte sein Wissen mit anderen nicht nur teilen, sondern Texte fremder Leute in den eigenen Kontext einbinden können. Die Grenzen zwischen Dein und Mein sollten in »Xanadu« verschwimmen. Nelsons Utopie ist immer wieder am Finanziellen gescheitert. Heute sind seine Vorstellungen teilweise ins WWW eingeflossen.
Die ersten funktionierenden Communities konnten sich erst in den 80er Jahren etablieren, als mit den 8 Bit-Heimcomputern die kritische Masse an potentiellen Mitgliedern erreicht war. Die Frage nach dem geistigen Eigentum, die Nelson in Xanadu in der Schwebe gelassen hatte, wurde nun in fröhlicher Anarchie unterlaufen: Crackergruppen beseitigten den Kopierschutz von Spielen, fügten einen Vorspann hinzu und ließen die Disketten kursieren. Doch das illegale Kopieren allein ist nur die eine Hälfte. Mindestens ebenso wichtig waren die Cracker-Intros, mit der sich die Gruppen wahre Schlachten darum lieferten, wer die besseren Programmiertricks auf Lager hatte. Während ein Teil der Szene sich vornehmlich aufs Cracken konzentrierte, wurde für den anderen der Wettstreit um den besten Programmcode wichtiger, so dass auch Intros ohne das dazugehörige Spiel gecodet wurden – das Computerdemo war geboren. Privat standen fast alle Demomusiker zwar eher auf Metal und Industrial, aber trotzdem ist der Geist von Hip Hop und den jamaikanischen Soundsystems mit auf die Floppy Disks gespeichert worden.Es ging nur nicht mehr um den lautesten Sound und das gewiefteste DJ-ing, sondern um die bunteste Graphik den fettesten Chipsound. Allerdings waren die damaligen Musikstücke größtenteils mit von den Musikern selbstgeschriebenen Programmen komponiert worden, die nur in begrenztem Umfang auch anderen Musikern oder gar den Zuhörern zur Verfügung standen. Das änderte sich erst 1987.
In diesem Jahr veröffentlichte Karsten Obarski für den Amiga ein nach heutigem Standard eher unscheinbares Programm namens »The Ultimate Soundtracker«. Damit konnte man Soundsamples in vier Spuren als Instrumente abspielen. Echten Stereosound suchte man vergebens, externe Geräte wie Synthesizer konnten nicht angesprochen werden. Revolutionär war Obarskis »Soundtracker« wegen seiner Musikeingabe – in Kolumnen wurden Tonhöhen und Effekte eingegeben, die das Programm der Reihe nach abarbeitete – und vor allem wegen seines Dateiformats »MOD«, in dem neben den Musikinformationen auch alle Samples gespeichert werden. Damit hatte jeder Interessierte direkten Zugang zum Sourcecode eines Tracks und konnte somit die Tricks lernen oder hatte gleich alles Nötige, um einen Remix zu basteln.
Als mit dem WWW das Internet begann, sich vom Informations- zum Unterhaltungsmedium zu wandeln, veränderte sich auch die Trackerszene. Wurden Musikstücke zuvor über Mailboxen, Disketten und als Soundtrack von Demos verteilt, so wanderten die Tracker nach und nach ins Netz ab. Aus der »Music Group« wurde das »Net Label« und die Nabelschnur zur Demoszene wurde getrennt. »Um kreativ zu bleiben muss man manchmal eben einen 100 MB-Track schreiben. Versuch das mal in einem Demo unterzubringen«, so Michael Lazarev von »United Trackers« und betont den Abstand zwischen Tracker- und Demoszene im Jahr 2001 indem er fragt: »Releasen die überhaupt noch Demos?«
Relativ fix wurde der Soundtracker erweitert und Clones von anderen Programmierern tauchten auf, die zwar neue Features in die Programme einbauten, aber am grundsätzlichen Konzept nichts änderten. Aktuelle Tracker haben den Sprung vom Amiga nach DOS und weiter zu Windows oder MacOS getan.
Die vierte Generation der Tracker wie Jeskola Buzz und »Psycle« ist dann mit Softsynths, also Programmen, die die Klangsynthese eines Synthesizers emulieren, zu einem Hybrid-Tool mutiert. So kochen die »MadTracker« ein etwas anderes Süppchen als die »Buzzer« und die Frage nach dem Tracker ist wie seinerzeit die Frage: Commodore oder Atari? Les Paul oder Stratocaster?
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