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Die C-64-Community
Wie sich die Diskussionen doch gleichen! Schon in den 80er Jahren stritt man sich (damals noch in Mailboxen) über den Umgangston, die Netiquette. In e-Mail-basierten Communities von heute hat sich zumindest in dieser Hinsicht nichts geändert – egal, ob um die Neuigkeiten eines Programms oder um die neuesten C64-Remixe geht. Der Streit, ob eine Mail in der Liste off topic war oder nicht, nimmt manchmal bizarre Züge an.
Im Falle der C64-Remix-Community ist dies ja durchaus passend, war doch Commodores legendärer »Brotkasten« einer der klassischen Computer gewesen, mit dem man sich mittels über den Hörer gestülptem Akustikkoppler in Mailboxen einwählen konnte. Gedacht war die C64rmx-Liste anfangs als zentrale Anlaufstelle für die Remixerszene, die zuvor noch auf Dutzenden von Hompages verstreut war. »Es war harte Arbeit, mit den neuen Mixes ständig up to date zu bleiben«, beschreibt Kai Spitzley, Initiator der Mailing Liste die damalige Situation. Er hatte im Mai 2000 die Liste bei »eGroups« (heute »Yahoo Groups«) eingerichtet und alle Sites zu C64-Musik nach e-Mail-Adressen durchforstet (»wie ein mieser Spammer«), um seine Liste bekannt zu machen.
Diskussionen wollte Kai in der Anfangszeit möglichst klein halten: »Ich hab von Anfang an einiges an unnötigem Traffic befürchtet, weil gerade bei einem so subjektiven Thema wie Remixes endlos sinnlos diskutiert werden kann. Deshalb waren auch die Richtlinien zu Beginn relativ straff. Nach ein paar Umfragen stellte sich heraus, dass die Leute nichts gegen etwas Diskussion haben, also werden wir uns (hoffentlich) nach einiger Zeit auf einen gemeinsamen Nenner einpendeln.« Verhindern kann man es allerdings nicht, dass sich ab und zu mal ein eher nebensächlicher Thread verselbständigt. Als zum Beispiel in der dänischen Fernsehsendung »Music Bureau« eine Folge nur zum C64 und seinen Remixern ausgestrahlt wurde, hatten die dortigen Listenteilnehmer eine untertitelte Version zusammengestellt – und die Frage nach dem Dateiformat beherrschte eine Woche die Liste.
Durch die Liste als Anlaufstelle und Informationsbörse der C64-Remixer ist die Community überhaupt erst entstanden, glaubt Kai, auch wenn die Liste nicht der einzige Ort von Remixern ist. Im Dogma-Land Dänemark betreibt Jan Lund Thomsen »R:K:O:«, ein MP3-Archiv, das sich auf C64-Remixe spezialisiert hat, und das Webmagazin »Remix64« schließt die Lücke zwischen dem puristischen Ourfit einer ASCII-Mailingliste und der reinen MP3-Sammlung, so dass alle drei Sites in gemeinsamer Symbiose die Remix-Community bilden.
Wie schon fast jede andere Subkultur zuvor ist auch die C64-Remix-Szene konservativ geworden und hangelt sich zwischen manchmal etwas drögen Dance Remixen im Boom-Tschack-Stil und Neuarrangements im MIDI-Sound hindurch. Einer Diskussion, in welche musikalische Richtung sich die Community entwickeln soll, ist lange Zeit ausgewichen worden, und die Reviews der Liste sind oftmals auf einem sehr persönlichen Niveau gependelt, ohne sich auf ein irgendwie höheres reflexives Niveau als »Great work, pal!« zu begeben. Wohlgemerkt nicht immer. Einig ist man sich in zwar erster Linie über eine eher traditionelle Vorstellung von Remixen: Sie sollten sich nicht zu sehr vom Original entfernen. Remixe im Stil von »Oval« oder »Autechre« sind selten und werden im Allgemeinen auch mit Unverständnis begegnet, und wenn sich ein Remix auf etwas weniger erkennbare Bestandteile wie den Groove statt der Melodie stützt macht ihm dies auch nicht unbedingt leichter, Anerkennung zu finden.
Aber ab einer bestimmten Größe muss sich eine Community solchen grundsätzlichen Fragen stellen. Da die Anzahl der neuen Tracks auf »R:K:O:« langsam unübersichtlich geworden ist, hat Webmaster Jan Lund Thomsen die Entscheidung getroffen zu selektieren. Die Diskussion über diese Entscheidung ist schon ins Laufen gekommen.
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